Bullshit-Aktie des Monats – die Carnival-Aktie

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Von einer soliden Dividendenaktie zum Pleitekanditaten – und das alles in weniger als drei Monaten: Die Ausbreitung des Corona-Virus hat dafür gesorgt, dass die Carnival-Aktie um rund 85 % eingebrochen ist.

Ich kann daher sehr gut verstehen, dass ihr die Carnival-Aktie zur Bullshit-Aktie des Monats gewählt habt – auch wenn's ziemlich knapp war!

Hier geht's übrigens zu den ersten beiden Bullshit-Aktien – falls du einen dieser Beitrage verpasst haben solltest, findest du sie hier:

Bullshit-Aktie des Monats – die Commerzbank-Aktie

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Lass uns nun einen Blick auf die Carnival-Aktie werfen – aus den folgenden drei Gründen würde ich heute Abstand von einem Kauf nehmen!

Aktie Carnival
WKN 120100
Land Panama
Dividendenrendite 0,00 %
Kurs 10,62 Euro

Quelle: onvista.de, Stand: 22.04.2020

Grund 1: Kein Cash

Wer sich den 2019er Geschäftsbericht des Kreuzfahrtunternehmens anschaut, der wird erstmal auf eine augenscheinlich solide Bilanz stoßen. Der Zinsdeckungsgrad lag zum Geschäftsjahresende bei soliden 15,9, die Eigenkapitalquote betrug zum Stichtag 30.11. ordentliche 56,3 %. So weit, so gut – das Problem bei Carnival: Kaum Cash in der Bilanz!

Ende November konnte man gerade einmal gut 500 Millionen US-Dollar Cash ausweisen. Um ein besseres Gefühl für diese wenig greifbare Zahl zu bekommen: Alleine an Lohnkosten fielen beim Aida-Mutterkonzern im Jahr 2019 knapp 190 Millionen US-Dollar an – pro Monat wohlgemerkt!

Selbst die Löhne könnte man mit diesem Cashbestand keine drei Monate zahlen – hinzu kommen Zinsen (2019: 17,2 Millionen US-Dollar pro Monat) und die Instandhaltung der Schiffe (nicht aus dem Geschäftsbericht zu entnehmen, sicherlich auch ein paar Millionen pro Monat).

Angesichts dieser Situation überrascht es nicht, dass Carnival am 01.April gleich zwei neue Anleihen ausgegeben hat.

Volumen Zinssatz Fälligkeit monatliche Zinslast
4,00 Mrd. US-Dollar 11,5 % 2023 38,3 Mio. US-Dollar
1,75 Mrd. US-Dollar 5,75 % 2023   8,3 Mio. US-Dollar

Quelle: Carnival Corporation

Damit wird sich die monatliche Zinslast von einem auf den anderen Monat verdreifachen – düstere Aussichten für die nächsten Monate. Versteh mich bitte nicht falsch – würde Carnival einfach wieder loslegen können und alles läuft wie vor Corona, dann wäre auch diese Zinslast für den Kreuzfahrtkonzern der Welt zu stemmen.

Anleihe Carnival Corp. DL-Notes 2020(20/23)
WKN A28VYP
Kupon 11,5 %
Fälligkeit 01.04.2023
aktueller Kurs 104,0 %

Quelle: 22.04.2020

Doch danach sieht es derzeit nicht ansatzweise nicht aus. Und wenn es dann doch wieder losgeht – vermutlich eher langsam und bedächtig, dann belasten 560 Mio. US-Dollar zusätzliche, jährlich anfallende Zinskosten den Gewinn von Carnival. Auch die Rückzahlung der Kredite dürfte schwierig werden. Wahrscheinlich ist eher, dass Carnival 2023 erneut auf Kredite zurückgreifen muss.

Fazit: Der niedrige Cashbestand in Kombination mit dem Ausbruch des Coronavirus hat Carnival dazu gezwungen, sich massiv zu verschulden. Eine Last, unter der Carnival – und die Carnival-Aktionäre – noch jahrelang leiden werden.

Grund 2: Kreuzfahrten und die Erinnerung an Corona

Klar – alles was mit Tourismus zu tun hat, leidet aktuell extrem unter Corona. Langfristig wird sich das allerdings wieder ändern – davon bin ich überzeugt. Urlaub und Reisen – beides befriedigt das menschliche Grundbedürfnis nach Abwechslung.

Generell denke ich daher, wird Corona den Tourismus – und auch Kreuzfahren – nicht ausradieren. Ich glaube allerdings auch, das Kreuzfahrten es etwas schwerer haben werden, wieder in die Gänge zu kommen als beispielsweise Hotels oder Airlines.

Denn die Nachrichten von unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiffen gingen um die Welt. Festgehalten Passagiere – die Angst, angesteckt worden zu sein, das alles könnte in den Köpfen vieler Menschen hängen bleiben. Und sie davon abhalten, in den nächsten Monaten und Jahren eine Kreuzfahrt zu buchen.

Fazit: Ich fürchte, die Kreuzfahrtbranche wird es auch unmittelbar nach Corona nicht leicht haben. Klar werden wieder Kreuzfahrten gebucht werden, aber ob es so viele Passagiere geben wird wie vorher, bleibt abzuwarten. Und das wäre natürlich nicht gerade Rückenwind für die Carnival-Aktie.

Grund 3: Auch ohne Corona – kaum Wachstum in Sicht

Schaut man sich das Umsatzwachstum zwischen 2013 und 2019 an, so stellt man fest: Da hätte ich aber mit mehr gerechnet! Im Schnitt konnte Carnival in diesem Zeitraum nämlich um durchschnittlich nur 6,1 % p.a. beim Umsatz zulegen! Beim Gewinn sieht's ein bisschen besser aus – aber auch hier gilt: Zwischen 2015 und 2019 war da nicht viel mit Wachstum.

Und das in einer Zeit, in der Kreuzfahrten ein boomendes Geschäft waren. Diese Zeiten dürften nun erst mal vorbei sein – und zwar für mehrere Jahre. In diesem Umfeld schnell auf das Vorkrisen-Niveau "zurück zu wachsen", das halte ich beinahe für unmöglich – alleine wegen der explodierenden Schulden.

Fazit: Schnelles Wachstum gab's vor Corona schon nicht – und in diesem Umfeld rechne ich erst Recht nicht damit.

Mein Fazit zur Carnival-Aktie

Von meinen bisherigen Bullshit-Aktien wäre die Carnival-Aktie die gewesen, die ich mir am wahrscheinlichsten ins Depot gelegt hätte – zumindest vor Corona. Nun muss ich sagen: In der aktuellen Lage – insbesondere was die Bilanz betrifft – ist mir ein Kauf viel zu riskant. 11,5 % Zinsen sind der Wahnsinn – daran wird man noch lange zu knabbern haben.

Daher ist die Carnival-Aktie für zum aktuellen Stand eine Bullshit-Aktie – auch wenn das Unternehmen selbst nicht viel dafür kann. Für Anleger, die an eine Rettung des Kreuzfahrtkonzern glauben, könnte 11,5 %-Anleihe noch das stabilere Investment verglichen mit der Aktie darstellen.

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Der Kauf von Aktien und anderen Wertpapieren ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet.

Ich besitze besitze keine der genannten Aktien (22.04.2020).


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