Bei der Lufthansa-Aktie kann man doch gerade nicht viel falsch machen! Oder doch?

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Anfang April ist die Lufthansa-Aktie unter die Marke von 8 Euro gefallen – so tief stand sie nicht einmal während der großen Finanzkrise im Jahr 2008/09. Um genauer zu sein: Zuletzt bekam man die Lufthansa-Aktie im Februar 2003 so günstig.

Man könnte meinen, zu diesem Schnäppchenpreis kann man nicht viel falsch machen – immerhin sprechen wir von einem etablierten Unternehmen in einer langfristig vielversprechenden Branche mit einer führenden Marktposition.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Lufthansa-Aktie heute ein Schnäppchen ist. Es gibt allerdings auch Dinge, die durchaus beunruhigend sind. Welche das sind und zu welchem Fazit ich bezüglich der Lufthansa-Aktie komme, erfährst du, wenn du weiter liest.

Die Lufthansa-Aktie ist ein Schnäppchen, wenn...

... sie in ein paar Jahren an die Ergebnisse anknüpfen kann, die sie bis 2019 abgeliefert hat! Ein paar Zahlen verdeutlichen dies eindrucksvoll.

Ergebnis je Aktie 2019: 2,55 Euro

KGV auf Basis des 2019er Gewinns: 3,1

operativer Gewinn 2019: 1,9 Milliarden Euro

Marktkapitalisierung am 03.04.2020: 3,8 Milliarden Euro

Der operative Gewinn in 2019 betrug 50 % von dem, was der Konzern heute Wert ist – das ist natürlich brutal günstig. Auch ein KGV von drei findet man normalerweise nicht im DAX, MDAX oder SDAX. Und mal ganz ehrlich: Einiges spricht dafür, dass die Lufthansa diese Krise überleben wird und anschließend wieder durchstarten kann.

 1. Der Megatrend Reisen wird die Menschen nach Corona wieder in die Flieger treiben. Reisen ist ein wichtiges Bedürfnis, Airlines sind diesbezüglich nicht wegzudenken.

2. Die Bilanz der Lufthansa ist deutlich besser als die der meisten Konkurrenten. Lediglich Ryanair und die British Airways-Mutter IAG können in Europa mithalten. Wenn eine Airline Corona überlebt, dann die Lufthansa.

3. Der Staat wird "sein Baby" nicht fallen lassen. Airlines sind nationale Aushängeschilder – wie sehr Regierungen an ihnen hängen, zeigt beispielsweise die Alitalia in Italien.

Wenn die Lufthansa in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben würde, so glaube ich, dass der Konzern gute Chancen hätte, wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können...

... doch es könnte auch anders kommen!

Derzeit bleiben rund 700 der insgesamt 760 Flugzeuge der Lufthansa am Boden, die Tochtergesellschaften Austrian Airlines und Brussels sind derzeit komplett stillgelegt. Einnahmen: Quasi null – die Fixkosten hingegen sind eklatant hoch!

Nach Einschätzungen der Landesbank Baden-Württemberg könnte es bereits im dritten Quartal 2020 zu einem Zahlungsausfall der Lufthansa kommen – die Citibank sieht einen Finanzierungsbedarf von rund 4,5 Milliarden Euro (das ist mehr, als die Lufthansa heute wert ist).

So überrascht es nicht, dass die Lufthansa bereits mit der Bundesregierung über mögliche Formen einer Beteiligung diskutiert. So wie es aktuell aussieht, ist dieser Schritt wohl unausweichlich – doch was bedeutet das für uns Investoren?

Nun, ich bin mir wie oben erwähnt ziemlich sicher, dass der Staat die benötigten Milliarden locker machen wird – in der Finanzkrise 2008/09 flossen über 16 Milliarden Richtung Commerzbank. Doch eines ist auch klar: Geschenkt wird der Lufthansa nichts!

So steht aktuell eine Rückabwicklung übernommener Airlines im Raum: Austrian Airlines, Swiss oder Brussels stehen zur Disposition. Würde das wehtun? Auf jeden Fall! Swiss beispielsweise erwirtschaftet 2019 fast 600 Millionen Euro Gewinn. Auch Austrian Airlines leistete einen positiven Ergebnisbeitrag. Fazit: Ohne seine Töchter würde sich die Lufthansa schwer tun, nochmal an das 2019er Ergebnis heranzuschnuppern.

Klar ist auch: Die Schulden der Lufthansa werden steigen – ob der Staat einsteigt oder nicht. Doch nicht nur die Schulden werden steigen – leider werden sich auch die Konditionen verschlechtern. Die Ratingagentur Moody's hat die Lufthansa bereits auf Ramschniveau herabgestuft – entsprechend wird die Lufthansa zukünftig mehr für neue Kredite berappen müssen. Mehr Schulden, höhere Zinsen – das wird massiv am Gewinn nagen, schlechtesten Falls über mehrere Jahre.

Ob die Lufthansa unter diesen Bedingungen innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder ein Ergebnis wie 2019 erzielen kann? Ganz ehrlich: Ich bin da mehr als skeptisch! Ja, die Lufthansa wird vom Staat gerettet werden. Und ja, ich glaube die Lufthansa wird in zwei oder drei Jahren wieder Geld verdienen.

Mein Fazit zur Lufthansa-Aktie

Aber: Es wird Jahre dauern, bis die Lufthansa wieder so gut verdienen wird wie im Jahr 2019. Und selbst wenn man in ein oder zwei Jahren wieder einen Euro je Aktie verdienen sollte: Das entspräche einem KGV von 8 – mit so einem "hohen" KGV wurde die Lufthansa-Aktie allerdings selbst in den letzten Jahren nicht bedacht.

Für mich als Lufthansa-Aktionär stellt sich daher die Frage, ob mein Geld nicht an anderer Stelle (z.B. in der Fraport-Aktie) besser aufgehoben ist. Auch wenn der Verkauf der Lufthansa-Aktie mir derzeit einen Verlust von ca. 70 % einbrocken würde: Ich tendiere dazu, diese Position aufzulösen.

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Ich besitze Aktien der Lufthansa (05.04.2020).


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