Die 5-Punkte-Checkliste für den ersten Aktienkauf

Für Börsenneulinge ist der erste Aktienkauf alles andere als einfach – das war bei mir vor 13 Jahren nicht anders. Soll ich überhaupt Aktien kaufen? Alle sagen, Aktien sind so riskant. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Alle „Experten“ sind der Meinung, dass der nächste Crash kurz bevor steht. Und wer diese generell Zweifel schließlich überwunden hat, für den stellt sich immer noch die Frage: Welche Aktie soll ich denn nun eigentlich kaufen?

Ich habe zu Beginn meiner Investorenlaufbahn fürchterliche Entscheidungen getroffen – so tummelten sich beispielsweise TUI, die Commerzbank oder gar Air Berlin meinem Depot. Mit der nun folgenden 5-Punkte-Checkliste wären mir diese Geldvernichter größtenteils erspart geblieben – leider hatte ich damals keine.

Heute hoffe ich, dir mit meinen inzwischen 13 Jahren Börsenerfahrung dabei helfen zu können, solche Fehler zu vermeiden – mit meiner 5-Punkte-Checkliste für den ersten Aktienkauf!

Punkt 1: Verstehe, was du kaufst!

Wer in ein Unternehmen investiert – und nichts anderes ist ein Aktienkauf – der sollte auf jeden Fall verstehen, wie das Geschäftsmodell hinter dem Unternehmen funktioniert. Sprich: Welche Produkte stellt das Unternehmen her, warum kaufen es die Kunden, mit wem konkurriert es und wird man dieses Unternehmen auch in 10 Jahren noch brauchen?

Im besten Fall bist du Kunde dieses Unternehmens, arbeitest dafür (oder für einen Konkurrenten) oder hast andere persönliche oder berufliche Schnittstelle. Trifft keiner dieser Punkte zu, dann solltest du zu Beginn deiner Investorenlaufbahn vielleicht eher Abstand von diesem Unternehmen nehmen.

Punkt 2: Gewinn, Gewinn, Gewinn

Gerade am Anfang sollte man auf Unternehmen setzen, die bereits Gewinne erzielen – alles andere ist ohne langjährige Börsenerfahrung in meinen Augen hochspekulativ. Da Gewinn nicht gleich Gewinn ist, hier eine kleine Anleitung, wie du überprüfst, ob ein Unternehmen tatsächlich Gewinn erwirtschaftet hat:

Gib auf Google den Namen des Unternehmens + Geschäftsbericht (bei internationalen Unternehmen: annual report) + Jahreszahl ein. In diesem Dokument findest du im Inhaltsverzeichnis die „Gewinn- und Verlustrechnung“ – gehe auf diese Seite (internationale Unternehmen: Consolidated Statements of Operations).

Dort findest du den operativen Gewinn, oft wird dieser auch EBIT genannt. Von diesem Wert ziehst du dann die Zinszahlungen (international: Interest Expense) und Steuern (tax) ab – und erhältst so den Gewinn aus den gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten. Ist dieser Wert positiv, bestenfalls auch im Vorjahr, dann hat dieses Unternehmen den zweiten Punkt bestanden.

Anmerkung: Bei Banken und Versicherungen funktioniert diese Vorgehensweise nicht!

Punkt 3: Die Bilanz

Verschuldete Unternehmen meide ich noch heute wie der Teufel das Weihwasser – und das sollten Börsenneulinge erst Recht tun. Auch hier gibt es eine recht simple Möglichkeit, um die Bilanz zu überprüfen – den Zinsdeckungsgrad. Das Problem sind nämlich nicht die Schulden an sich, sondern die daraus resultierenden Zinszahlungen, die ein Unternehmen zu leisten hat.

Du kannst den Zinsdeckungsgrad einfach berechnen: Öffne wieder den Geschäftsbericht und geh wieder auf die Seite „Gewinn – und Verlustrechnung“. Dann nimmst du den bereits erwähnten operativen Gewinn (EBIT) und teilst ihn durch die geleisteten Zinszahlungen (Interest Expense). Meine persönliche Skala für Börsenneulinge sieht wie folgt aus:

0 – 3 Finger weg

3 – 6 Kann man machen, dieser Wert sollte allerdings beobachtet werden

7 + tutto bene – alles bestens!

Punkt 4: Sei bereit zu scheitern!

Bisher stand das Unternehmen im Fokus unserer Checkliste – jetzt kommt die Psyche ins Spiel: Egal wieviel Erfahrung du hast, wie akribisch du analysiert hast und wieviel Geschäftsbericht du gelesen hast: Du wirst immer wieder mal daneben liegen! Mir passiert das, dir wird das passieren und sogar Börsenlegende Warren Buffett passiert das immer wieder!

Du wirst also hin und wieder scheitern – lass dich von Angst aber nicht davon abhalten, trotzdem eine Kaufentscheidung zu treffen. Wenn du mal daneben liegst, dann nutze diese Gelegenheit und lern daraus – nur so wirst du mit der Zeit zu einem besseren Investor!

Punkt 5: Hör nicht auf!

Da wir nun wissen, dass wir ohnehin nicht immer richtig liegen können, dürfen wir es auf gar keinen Fall bei nur einer einzigen Aktie belassen – denn das wäre das krassest mögliche Gegenteil von Diversifikation! Diversifikation bedeutet Streuung – also in viele verschiedene Aktien zu investieren.

Am besten aus unterschiedlichen Branchen und Regionen – so schützt du dich vor der Abhängigkeit einiger weniger Entscheidungen. Gerade am Anfang halte ich Diversifikation für essentiell wichtig – dauerhaft solltest du meiner Meinung nach mindestens 10 Aktien im Depot haben, besser sind 15 bis 20 Einzeltitel.

Mein Fazit zur 5-Checkliste

Diese Auflistung ist für Börsenneulinge gedacht, um ihnen den Einstieg an der Börse zu erleichtern. Sie soll vor hohen Verlusten und der damit einhergehenden Frustration bewahren. Denn nicht selten wirft man die Flinte ins Korn, wenn am Anfang zu viel schief geht. Das möchte ich verhindern – denn ich denke, Aktien sind eine sinnvolle Anlageform für wirklich JEDERMANN!

Wer den Markt auf Dauer schlagen will, für den reicht diese Check-Liste dauerhaft aber nicht aus. Stetige Weiterentwicklung und das Lernen aus Fehlern muss unbedingt umgesetzt werden – ansonsten wird’s schwer mit langfristig hohen Renditen!

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Der Kauf von Aktien und anderen Wertpapieren ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet.


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