Mit Faktor-ETFs den Markt schlagen? So sinnvoll sind Smart Beta-ETFs wirklich

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Zwar investiere ich bereits seit über 16 Jahren in Aktien, ETFs fanden jedoch erst 2017 den Weg in mein Portfolio. Die Kombination aus attraktiver Rendite, breiter Diversifikation und wenig Aufwand überzeugte mich vor ein paar Jahren! Daher möchte ich ETFs als Teil meines Portfolios keine Sekunde missen – trotz meiner erfolgreichen Einzelaktien.

In einem Punkt genügt ein klassisches Weltportfolio meinen Ansprüchen allerdings nicht: Für meine finanziellen Ziele benötige ich eine jährliche Rendite von mindestens 8,5 %! In der Vergangenheit lag die Rendite eines ETF-Weltportfolios eher bei um die 7 %. Zu wenig also für meine persönlichen Ziele! An dieser Stelle kommen Faktor-ETFs ins Spiel: Sie sollen über das Potential verfügen, den breiten Markt dauerhaft zu schlagen.

Was Faktor-ETFs genau sind, mit welcher ETF-Faktor-Strategie wir ein Weltportfolio schlagen können und ob Faktor-ETFs sinnvoll sind, erfährst du in diesem Beitrag.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

Faktor-ETFs sinnvoll, Investorensteckbrief

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Faktor- oder Smart Beta-ETFs?

2. Chancen und Risiken

3. Zeit- und Kapitalaufwand

4. Strategie

5. Umsetzung und Praxis

6. Was brauche ich, um in Smart Beta-ETFs zu investieren?

7. Fazit und Meinung

1. Was sind Faktor- oder Smart Beta-ETFs?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Faktor-ETFs und Smart Beta-ETFs? Das war die erste Frage, die ich mir zu Beginn meiner Recherche stellte. Heute weiß ich: Faktor-ETFs und Smart Beta-ETFs sind unterschiedliche Bezeichnungen für den selben Ansatz! Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen soll gezielt auf "Faktoren" gesetzt werden, die bei der Aktienauswahl zuverlässig zur Outperformance einer Benchmark führten.

"Wissenschaftliche Erkenntnisse" bezieht sich hierbei auf die Entwicklung der Vergangenheit: Die nachfolgend vorgestellten Faktoren sorgten in den letzten Jahrzehnten für marktschlagende Renditen. Eine Garantie für die Zukunft ist das natürlich nicht! Bevor wir diesen Gedanken bei den Chancen von Faktor-ETFs vertiefen, möchte ich dir die wichtigsten Faktoren kurz vorstellen.

Faktor Momentum

Momentum-ETFs setzen auf Aktien, deren Kurse in der jüngsten Vergangenheit einen Aufwärtstrend zeigten. Beispiel Apple-Aktie: Diese Aktie befindet sich seit über einem Jahrzehnt in einem – nur durch kleinere Korrekturen unterbrochenem – Aufwärtstrend. Die Apple-Aktie hat Momentum und ist deshalb die größte Position im MSCI World Momentum Factor-Index (Stand: 15.12.2021). Basierend auf wissenschaftlichen Studien sorgte dieser Faktor in der Vergangenheit für marktschlagende Renditen. Hört sich fast ein bisschen zu einfach an, hat bisher aber wunderbar funktioniert.

Faktor Minimum Volatility

Minimum Volatility-ETFs investieren in Aktien, die in der Vergangenheit weniger schwankten als der zu Grunde liegende Referenzindex. Ziel ist es, Höhen und Tiefen auszugleichen und so für weniger Auf und Ab im Portfolio zu sorgen. Minimum Volatility-ETFs sind allerdings nicht nur etwas für Anleger, denen bei fallenden Kursen schnell der Angstschweiß von der Stirn tropft: Laut Indexanbieter MSCI schlug ein Minimum Volatility-ETF einen World-ETF zwischen November 2006 und Mai 2020 sogar deutlich.

Faktor Quality

Wer in Quality-ETFs investiert, der hat die großen Cash-Maschinen dieser Welt in seinem Depot: Facebook, Apple, Microsoft und Nike zählen zu den größten Positionen solcher Faktor-ETFs (Stand: 17.12.2021). All diese Unternehmen zeichnen sich durch stabile und hohe Gewinne aus – dem ausschlaggebenden Kriterium beim Faktor Qualität. Darüber hinaus kommen nur Konzerne zum Zug, die über eine stabile Bilanz verfügen. Da wachsende Gewinne einer der Hauptgründe für steigende Aktienkurse sind, erscheint dieser Faktor besonders einleuchtend und schlüssig.

ETF-Faktor-Strategie

Quelle: canva.com

Faktor Value

Starinvestor Warren Buffett setzt Zeit seines Lebens auf Value-Aktien. So schaffte er es zeitweise unter die drei reichsten Menschen der Welt. Value-Aktien sind basierend auf ihren Fundamentaldaten unterbewertete Aktien. Indikatoren können zum Beispiel ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Buchwert-Marktwert-Verhältnis sein. Value-ETFs berücksichtigen auch die Dividendenrendite. Der Value-Faktor setzt darauf, dass günstige Aktien wieder zur "normalen" Bewertung zurückkehren und auf dem Weg dorthin marktschlagende Renditen erzielten. Derzeit finden wir Unternehmen wie AT&T, Intel oder Toyota unter den Top Holdings von Value-Faktor-ETFs (Stand: 17.12.2021).

Faktor Small Caps

Beim Faktor "Small Caps" setzen Anleger auf Aktien mit einer niedrigen Marktkapitalisierung, also auf kleine Unternehmen. Small Caps gelten als risikoreicher im Vergleich zu Großkonzernen. Mehr Risiko bedeutet an der Börse praktisch immer ein höheres Renditepotential (aber eben auch mehr Risiko in Form von Volatilität). Hinzu kommt, dass kleine Unternehmen meist schneller wachsen als ihre großen Brüder. Das schlägt sich langfristig ebenfalls in höheren Renditen nieder.

Multifaktor-ETFs

Der Name deutet es an: In Multifaktor-ETFs kommen verschiedene Faktoren innerhalb eines ETFs zum Einsatz. Der MSCI World Multifaktor-ETF beispielsweise vereint die folgenden vier Faktoren unter einem Dach.

  1. Value
  2. Quality
  3. Momentum
  4. Small Caps

Wer keine Lust auf vier bis fünf unterschiedliche Faktor-ETFs im Depot hat, der findet in einem Multifaktor-ETF eine bequeme "Einmal hin, alles drin"-Lösung. Auf den Faktor "Minimum Volatility" müssen Anleger bei einem Multifaktor-ETF allerdings verzichten.

Einsatz von Faktor-ETFs

ETFs, bei denen diese Faktoren zum Einsatz kommen, gibt es derzeit auf mehrere Referenzindizes. Der bekannteste ist sicherlich der MSCI World-Index. Es gibt aber auch Smart Beta-ETFs, die den MSCI Europe, den US-Aktienmarkt oder Nachhaltigkeits-Indizes nachbilden.

2. Chancen und Risiken von Faktor-ETFs

Jetzt, da wir die wichtigsten Faktor-ETFs kennen, ist an der Zeit sich mit den Chancen und Risiken dieser Anlagevehikel zu beschäftigen. Weil ich von Natur aus Optimist bin, möchte ich mit den Chancen beginnen.

Die Chancen von Smart Beta-ETFs

Das Ziel – und damit die Chance – von Smart Beta-ETFs ist die Outperformance des zu Grunde liegenden Referenzindex. Beispiel: Der MSCI World Momentum-Index verfolgt das Ziel, die Rendite des MSCI World zu übertrumpfen. Betrachten wir den Zeitraum zwischen November 2006 und November 2021, so ist dies den  sechs bedeutensten Smart Beta-ETFs gelungen. Die entsprechenden Charts findest du in der folgenden Auflistung (Quelle: MSCI.com).

MSCI World Momentum

MSCI World Minimum Volatility

MSCI World Quality

MSCI World Value

MSCI World Small Caps

MSCI World Multifaktor

Der MSCI World-Value-Index blieb weit hinter dem MSCI World-Index zurück. Er war damit allerdings der einzige, der eine klare Underperformance ausweisen musste. Mit dem MSCI World Minimum Volatility-Index waren Anleger zumindest dicht dran am Referenzindex. Alle anderen konnten den MSCI World-Index schlagen, teilweise sogar deutlich.

Hätten wir im Jahr 2006 gleichmäßig in die fünf Faktoren Momentum, Minimum Volatility, Quality, Value und Small Caps investiert, dann hätte dies zu einer Outperformance des MSCI World-Index geführt: Ziel erreicht! Gleiches gilt für Anleger, die in einen Multifaktor-ETF investierten. Die Chance von Smart Beta-ETFs ist heute, dass die zu Grunde liegenden Faktoren weiterhin funktionieren und uns auch in den nächsten Jahrzehnten eine Outperformance ermöglichen.

ETF-Faktor-Strategie Chancen

Ein Stern: Rendite unterhalb der Inflationsrate wahrscheinlich

Zwei Sterne: Rendite im Bereich der Inflationsrate wahrscheinlich

Drei Sterne: marktübliche Rendite eines ETF-Weltportfolios

Vier Sterne: marktschlagende Rendite möglich

Fünf Sterne: Renditen von 12 % pro Jahr und mehr möglich

Die Risiken von Faktor-ETFs

Die Chance auf eine höhere Rendite bedeutet zwangsläufig ein höheres Risiko – das ist bei Faktor-ETFs nicht anders. Das größte Risiko ist in meinen Augen, dass die zu Grunde liegenden Faktoren in Zukunft nicht mehr funktionieren. In diesem Fall könnten Smart Beta-ETFs uns eine Underperformance im Bezug auf den Referenzindex "bescheren". Das kann beispielsweise passieren, wenn eine Vielzahl von Anlegern einen Faktor so stark pusht, dass dessen Potential durch den daraus resultierenden Kursanstieg auf Jahre aufgezehrt ist.

Ich persönlich denke, dass die breite Masse der Anleger zu irrational handelt, um einen Faktor dauerhaft bis auf Null "auszunutzen". Kurzfristige Denkweise, Gier und Angst sei Dank. Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass der ein oder andere Faktor in Zukunft sein Ziel nicht erreicht und er hinter seinem Referenzindex zurückbleibt. Diesem Risiko sollte sich jeder Anleger bewußt sein, der in Faktor-ETFs investiert.

Ein weiteres Risiko ist die bereits erwähnte, kurzfristige Denkweise. Zwar lieferten wie erwähnt fast alle Faktoren in den letzten 15 Jahren eine Outperformance. Kurz- und mittelfristig jedoch ergibt sich ein anderes Bild...

Smart Beta-ETFs

Quelle: justETF.com, Stichtag: 30.11.2021, absolute Renditen bezogen auf den Stichtag

Auf Jahressicht konnte nur ein einziger Faktor den MSCI World-Index hinter sich lassen. Auch mittelfristig schafften dies nur zwei von fünf Faktoren – eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die jüngste Vergangenheit zeigte, dass es bei Smart Beta-ETFs mehrere Jahre mit Underperformance geben kann: Faktoren entfalten ihre "Wirkung" oftmals erst nach vielen Jahren, manchmal sogar erst nach einem Jahrzehnt oder mehr. Wer diesen langen Atem nicht mitbringt, der sollte besser die Finger von Faktor-ETFs lassen. Ansonsten besteht das Risiko eines entnervten Verkaufs nach ein paar Jahren – ohne Outperformance.

Das dritte und letzte Risiko, welches ich in Smart Beta-ETFs sehe, ist deren schwächere Diversifikation im Vergleich zum Referenzindex. Im Prinzip sind Faktoren nichts anderes als ein Filter: Man kippt alle Aktien eines Index in einen Trichter, setzt beispielsweise den Filter "Quality" darunter und erhält als Ergebnis nur die Aktien, die nicht ausgefiltert werden. Wir haben daher in jedem Faktor-ETF zwangsläufiger weniger Aktien als in einem ETF auf den Referenzindex selbst – logisch. Entsprechend sind Smart Beta-ETFs schwächer diversifiziert als ein klassisches Weltportfolio, was das Risiko dieser Anlageklasse etwas erhöht.

Faktor-ETFs sinnvoll

Ein Stern: hohes Verlustrisiko, Totalverlust möglich

Zwei Sterne: mittleres Verlustrisiko, Totalverlust unwahrscheinlich

Drei Sterne: niedriges, langfristiges Verlustrisiko, Totalverlust unwahrscheinlich

Vier Sterne: kein Verlustrisiko, Absicherung durch Gläubiger mittlerer Bonität

Fünf Sterne: kein Verlustrisiko, Absicherung durch Gläubiger hoher Bonität

3. Zeit- und Kapitalaufwand mit Smart Beta-ETFs

Zeitaufwand

Wer auf einen Multifaktor-ETF setzt, der hat damit den gleichen Aufwand wie mit einem All-Country-World-ETF: Abgesehen von der ETF-Auswahl gibt es nach dem Kauf oder der Erstellung des Sparplans nichts mehr zu tun, weil kein Rebalancing erforderlich ist. Ein Multifaktor-ETF ist damit ein Investment, das wenig Zeit in Anspruch nimmt.

Ähnliches gilt für Anleger, die per Einzel-ETFs in Faktoren investieren möchten. Jedoch empfiehlt sich bei diesem Ansatz ein jährliches Rebalancing, um das ursprünglich definierte Verhältnis regelmäßig wiederherzustellen. Da meiner Meinung nach in alle fünf vorgestellten Faktoren investiert werden sollte, ist das Rebalancing mit Faktor-ETFs etwas aufwändiger als beim klassischen 70/30-Weltportfolio.

Smart Beta-ETFs Zeitaufwand

Ein Stern: hoher Zeitaufwand, wöchentliche Kontrolle notwendig

Zwei Sterne: hoher Zeitaufwand, monatliche Kontrolle notwendig

Drei Sterne: mittlerer Zeitaufwand, quartalsweise Kontrolle notwendig

Vier Sterne: niedriger Zeitaufwand, jährliche Kontrolle notwendig

Fünf Sterne: keine Zeitaufwand, keine Kontrollen notwendig

Kapitalaufwand

Per Sparplan können wir bei vielen Brokern bereits ab 10 Euro in einen Multifaktor-ETF investieren. Wer alle fünf Faktoren per Einzel-ETF abbilden möchte, der muss entsprechend mindestens 50 Euro monatlich in die Hand nehmen. Wer auf den richtigen Broker setzt, der kann mit wenig Kapital in Faktor-ETFs investieren und von deren Chancen profitieren.

Multifaktor-ETFs

Ein Stern: hoher Kapitalaufwand, mehr als 25.000 Euro notwendig

Zwei Sterne: hoher Kapitalaufwand, mehr als 10.000 Euro notwendig

Drei Sterne: mittlerer Kapitalaufwand, mehr als 5.000 Euro notwendig

Vier Sterne: niedriger Kapitalaufwand, mehr als 1.000 Euro notwendig

Fünf Sterne: niedriger Kapitalaufwand, Investitionen unter 1.000 Euro sinnvoll

4. Strategie – so investierst du sinnvoll in Faktor-ETFs

Faktor-ETFs sind eine Mischung aus aktivem und passivem Investieren. Der Ansatz an sich ist passiv: Wir betreiben kein "Stockpicking", sondern investieren breit gestreut in eine große Anzahl an Aktien. Jedoch filtern wir basierend auf gewissen Kriterien einen nicht unerheblichen Anteil der ursprünglich im Index enthaltenen Titel heraus. Das hat auf jeden Fall etwas von aktivem Investieren.

Wenn es darum geht, in welche Faktoren ich investiere, bevorzuge ich den passiven Ansatz. Egal ob ich den einzelnen Faktor persönlich gut finde oder nicht: Ich setze auf jeden der fünf vorgestellten Faktoren! Denn sie alle sorgten basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Vergangenheit für eine Outperformance. Entsprechend sollten wir alle Faktoren gleich behandeln – unabhängig von persönlichen Präferenzen. Ich halte daher nichts von "Faktor-Picking" und bevorzuge ein Strategie, die auf allen fünf vorgestellten Faktoren basiert. Es gibt zwei naheliegende ETF-Faktor-Strategien, mit denen sich dieser Gedanke umsetzen lässt.

Multifaktor-ETF

Der einfachste Weg, um in die fünf wichtigsten Faktor-ETFs zu investieren, sind Multifaktor-ETFs. Sie beinhalten alle fünf in diesem Beitrag vorgestellten Faktoren – ganz nach dem Motto: Einmal hin, alles drin. Mit Multifaktor-ETFs partizipieren wir mit nur einem Wertpapier an der Entwicklung aller bedeutenden Faktoren.

Multifaktor-ETFs

Quelle: canva.com

Je ein ETF pro Faktor

Die zweite ETF-Faktor-Strategie basiert darauf, in jeden der fünf Faktoren mit jeweils einem ETF zu investieren. Macht in Summe fünf ETFs, die wir besparen oder kaufen müssen. Dieser Ansatz ist aufgrund des regelmäßig notwendigen Rebalancings aufwändiger als der Multifaktor-Ansatz. Dafür sind die Gebühren von Multifaktor-ETFs jedoch deutlich höher als bei Einzel-Faktor-ETFs.

Wer den Aufwand des Rebalancings nicht scheut, der fährt mit einem ETF pro Faktor günstiger und kann daher mit einer höheren Rendite rechnen. Wer das Projekt Smart Beta-ETFs lieber passiv angeht und keine Lust auf Rebalancing hat, der sollte besser auf Multifaktor-ETFs setzen.

Idee für den Rendite-Kick: Antizyklische Sparpläne

Gleich vorneweg: Dieser Ansatz garantiert keine Outperformance und hat nichts mit passivem Investieren zu tun! Nichtsdestotrotz möchte ich ihn dir kurz vorstellen, weil ich diesen Ansatz vielversprechend finde. Wichtig: Wer über die folgende ETF-Faktor-Strategie nachdenkt, der sollte vom Potential aller fünf Faktoren überzeugt sein! Ansonsten macht's keinen Sinn.

Wer an die langfristige Outperformance aller Faktoren glaubt, der kann sich eine kurzzeitige Underperformance durch antizyklisches Handeln zu Nutze machen. In den letzten Jahren beispielsweise lief der Value-Faktor deutlich schlechter als sein Referenzindex. Wer glaubt, dass dieser Faktor dauerhaft eine Outperformance liefert, der kann durch antizyklisches Handeln seine Rendite maximieren. Denn die Underperformance in der Vergangenheit bietet Aufholpotential für die Zukunft – wenn der Faktor langfristig eine Outperformance bringt! In diesem Fall liefert der Smart Beta-ETF nicht nur die Faktor-Prämie, sondern auch eine Zusatzrendite aus der "Aufholjagd", die nötig ist, um zur Outperformance zurückzukehren.

Basierend auf der Sieben-Jahres-Performance (siehe Punkt 2 dieses Beitrags) könnten wir das Investitionsbudget bei einer antizyklischen ETF-Faktor-Strategie wie folgt aufteilen.

Momentum 15,0 %
Minimum Volatility 22,5 %
Quality 15,0 %
Value 25,0 %
Small Caps 22,5 %

Quelle: mögliche Umsetzung einer antizyklischen ETF-Faktor-Strategie

Sollte einer der Faktoren dauerhaft nicht funktionieren, werfen wir mit dieser ETF-Faktor-Strategie unserem schlechten Geld gutes nach! Wer diesem Ansatz folgt, sollte sich dessen bewußt sein.

5. Umsetzung und Praxis – so findest du die besten Faktor-ETFs

Wenn du es bis hierher geschafft hast, dann findest du das Chancen-Risiko-Verhältnis von Smart Beta-ETFs wahrscheinlich – wie ich – ziemlich attraktiv. Darüber hinaus kennst du drei Strategien, mit deren Hilfe du dir ein Portfolio aus Faktor-ETFs zusammenstellen kannst. Doch wie findest du die besten Faktor-ETFs, um deine Strategie umzusetzen?

Faktor-ETF sinnvoll

Quelle: canva.com

Viele Anleger schauen nur auf die Gesamtkostenquote, kurz TER. Andere investieren ausschließlich in ETFs mit einem besonders hohem Fondsvolumen. Und ein dritter meint, auf die Tracking Difference kommt's an. Ach ja – und Swap-basierte ETFs sollten wir natürlich meiden wie der Teufel das Weihwasser!

In einigen dieser sehr allgemeinen Aussagen steckt sicherlich ein Fünkchen Wahrheit, das will ich gar nicht abstreiten. Ich bevorzuge allerdings einen ganzeinheitlichen Ansatz, wenn es um meine ETF-Auswahl geht! Aus wie vielen Aktien setzt sich der ETF zusammen, wie breit ist er diversifiziert? Wie gut bildet der ETF-Herausgeber den Referenzindex nach? Ist der Ansatz hinter einem ETF überhaupt sinnvoll – oder handelt es sich lediglich um einen hübsch verpackten Geldvernichter?

Weil eine schlechte ETF-Auswahl langfristig im schlimmsten Fall ein paar tausend Euro kostet, entschloss ich mich vor einem Jahr ein Buch über dieses Thema zu schreiben: Die Idee des ETF-Atlas war geboren!

Der ETF-Atlas enthält

  • einen Leitfaden zur ETF-Auswahl: So findest du die besten ETFs für dein Portfolio
  • detaillierte Erläuterung der wichtigsten ETF-Kennzahlen
  • steuerliche Optimierungsmöglichkeiten
  • Analysen zu den 90 wichtigsten ETFs, die Anleger kennen sollten

Als ich vor rund vier Jahren damit begann, in ETFs zu investieren, hatte ich bereits ein Aktienportfolio im sechstelligen Bereich. Ich verfügte also über viele Jahre Börsenerfahrung... Und trotzdem schlage ich heute die Hände über meinem Kopf zusammen, wenn ich an meine ersten ETFs denke! Inzwischen weiß ich jedoch, worauf es ankommt – und ich möchte dir meine kostspieligen Fehler ersparen! Der ETF-Atlas enthält alle Informationen, die für die perfekte Zusammenstellung deines ETF-Portfolios notwendig sind.

Wenn du dich also für eine ETF-Faktor-Strategie entscheidest, aber nicht weißt, welche Smart Beta-ETFs am besten zu dir passen, dann ist der ETF-Atlas genau das Richtige für dich!

ETF-Faktor-Strategie

Der ETF-Atlas ist auf amazon.de als Taschenbuch sowie als Download hier auf meiner Homepage erhältlich. Mehr Infos bekommst du mit einem Klick auf "zum ETF-Atlas"

6. Was brauche ich, um in Smart Beta-ETFs zu investieren?

Wie für "gewöhnliche" ETFs benötigst du auch für Smart Beta-ETFs ein Depot. Die wichtigsten und bedeutendsten Faktor-ETFs bekommst du bei jedem Broker – egal ob Filialbank, Online- oder Neobrokern. Wenn du also schon ein Aktien- oder ein ETF-Depot hast, kannst du mit diesem problemlos auch Smart Beta-ETFs handeln.

Jede neue Strategie bietet die Chance, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen. Wenn du aktuell beispielsweise Ordergebühren von knapp zehn Euro in Kauf nimmst oder 1,5 % Gebühr für eine Sparplanausführung berappen musst, dann kannst du mit dieser teuren Gewohnheit im Zuge deiner neuen ETF-Faktor-Strategie brechen! Statt deine Smart Beta-ETFs in einem teuren Depot an den Start zu schicken, kannst du ihnen ein kosteneffizientes zu Hause bei einem Neo-Broker gönnen.

Insbesondere für Faktor-ETFs empfehle ich Trade Republic. Dort sind alle auf dem MSCI World-Index basierenden Smart Beta-ETFs kostenlos besparbar.

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Nutze die Gelegenheit und sag "Nein" zu hohen Gebühren: Setzt deine ETF-Faktor-Strategie mit Trade Republic um – und spare bares Geld! Ich bin seit mehr als zwei Jahren glücklicher Trade Republic-Kunde und kann dieses Depot guten Gewissens empfehlen. Das gilt ganz besonders für Smart Beta-ETFs.

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7. Fazit und Meinung - so sinnvoll sind Faktor-ETFs

Ist ein Faktor-ETF sinnvoll – oder ist er es nicht? Ich persönlich halte Smart Beta-ETFs für ein vielversprechendes Investment: Sie bieten – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen – gute Chancen auf marktschlagende Renditen. Gleichzeitig sind Smart Beta-ETFs ein breit diversifiziertes Investment, das entsprechend weniger riskant ist als jede Einzelaktie. Mir gefällt dieses Chancen-Risiko-Profil, weshalb derzeit ein Drittel meines monatlichen ETF-Budgets in meine ETF-Faktor-Strategie fließt.

Auch einer der renommiertesten ETF-Experten im deutschsprachigem Raum, Dr. Gerd Kommer, beschreibt Smart Beta-ETFs in seinem Buch "Souverän Investieren" als ein attraktives und chancenreiches Investment. Sein Werk war übrigens die Grundlage, für alles was ich heute über ETFs weiß. Solltest du es noch nicht gelesen haben, möchte ich es dir an dieser Stelle wärmstens empfehlen.

Souverän Investieren (*) ist zwar etwas langatmig und kommt arg theoretisch ohne konkrete Analysen daher. Dennoch ist Kommer's Buch meiner Meinung nach ein absolutes "Muss" für jeden, der ernsthaft in ETFs investieren möchte

Allerdings feiert nicht jeder Experte Smart Beta-ETFs, es gibt auch kritische Stimmen. Professor Martin Weber, Gründer des beliebten Arero-Weltfonds, sieht ein konzeptionelles Problem – vor allem in den fünf von mir vorgestellten Faktoren. Er begründet seine Skepsis damit, dass Faktoren irgendwann so bekannt sind, dass auf gut deutsch gesagt jeder in sie investiert. Die Kurse der entsprechenden Aktien steigen überproportional, der Renditevorsprung den sie möglicherweise in der Vergangenheit hatten, wird somit aufgefressen.

Natürlich könnte Weber Recht haben, das will ich gar nicht abstreiten. In meinen Augen sprechen jedoch zwei Gründe gegen seine Theorie.

  • ein Großteil des weltweit investierten Kapitals wird nach wie vor aktiv verwaltet. Gleichzeitig fließt in der Welt der passiven Geldanlage nur ein Bruchteil der investierten Gelder in Smart Beta-ETFs. Was ich damit sagen will: Der Einfluss von Faktor-ETFs auf die weltweite Kapitalallokation ist so gering, dass ich keine dauerhafte Aufzehrung der Faktor-Prämien erwarte.
  • wie in diesem Beitrag beschrieben gibt es immer wieder Zeiträume, in denen einzelne Faktor underperformen. Viele kurz- bis mittelfristige orientierte Anleger werden das vielleicht ein paar Monate mitmachen, sich dann aber nach anderen Investmentmöglichkeiten umsehen. Die Nachfrage sinkt, ein eventueller "Faktor-Aufschlag" wird abgetragen.

Entsprechend stehe ich auf der Seite von Gerd Kommer: Faktor-ETFs sind sinnvoll, da sie über ein attraktives Chancen-Risiko-Profil verfügen und abgesehen vom Rebalancing keinen Aufwand verursachen. Damit fallen Smart Beta-ETFs in die Kategorie von Geldanlagen, in die ich besonders gerne investiere:

  • Faktor-ETFs bringen das Potential mit, mein persönliches Renditeziel zu erreichen
  • das Risiko im Vergleich zu einem ETF-Weltportfolio ist zwar wie beschrieben etwas höher, steht aber dennoch in einem günstigen Verhältnis zu den Chancen einer ETF-Faktor-Strategie
  • Smart Beta-ETFs sind pflegeleicht und verursachen kaum Arbeit

Mein persönliches Fazit: Ich halte Faktor-ETFs für ein sinnvolles Investment und werde sie weiterhin besparen, sie sind fester Bestandteil meiner ETF-Strategie.

Ich hoffe, dass dir dieser Beitrag gefallen hat und hilfreich für deine Recherche zum Thema Smart Beta-ETFs war. Lass mich gerne wissen, was du über Faktor-ETFs denkst und wie du meinen Artikel findest, indem du die Kommentar-Funktion unterhalb dieses Beitrags nutzt!

Vielen Dank für dein Interesse an diesem Artikel,

euer Thomas

Smart Beta-ETFs, Thomas Brantl

Disclaimer

Für diesen Beitrag gilt – wie für alle „Aktien für jedermann“-Beiträge – der folgende Disclaimer. Bitte lies ihn dir aufmerksam durch und beachte die darin enthaltenen Ausführungen.

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