3 Kennzahlen, die jeder verstehen sollte

Aktienanalysen Einzelaktien Grundlagen

Wenn ich eine Aktie analysiere, dann schau ich mir vor allem das Unternehmen hinter der Aktie an. Damit meine ich in erster Linie das Management, die Produkte, die Geschichte, den Markt und Zukunftsaussichten eines Unternehmens. Alles Punkte, die man nur sehr bedingt mit Zahlen darstellen kann.

Nichtsdestotrotz spielen Zahlen in der Börsenwelt natürlich eine wichtige Rolle. Welche drei Kennzahlen meiner Meinung nach so wichtig sind, dass auch ein Börsenneuling sie verstehen sollte, möchte ich dir im folgenden Beitrag zeigen.

KENNZAHL 1: DAS UMSATZWACHSTUM

Moment – viel wichtiger als der Umsatz ist doch der Gewinn! Schließlich hängt davon die Bewertung, die Dividende und wirtschaftliche Verfassung eines Unternehmens ab. Das ist natürlich richtig – doch nur der Umsatz verrät uns, ob sich die Produkte eines Unternehmens immer besser oder immer schlechter verkaufen.

Für mich als langfristiger Investor, der das Unternehmen in den Mittelpunkt seiner Analyse stellt, ist das ein entscheidender Punkt. Denn ein Unternehmen, das langfristig – und LANGFRISTIG möchte ich hier besonders betonen – sinkende Umsätze vorzuweisen hat, das kann in der Regel kein großartiges Unternehmen sein. Denn es verkauft immer weniger von seinen Produkten – das spricht nur wahrlich weder für die Produkte noch für das Unternehmen selbst.

Klar gibt es Ausnahmen – beispielsweise wenn eine Aktie extrem günstig zu haben ist oder eine Unternehmen sich gerade neu aufstellt. Aber generell gilt: Ich investiere nur in Unternehmen, die in Vergangenheit gewachsen sind und denen dies auch zukünftig gelingen kann.

Und diese Fähigkeit messe ich unter anderem am Umsatzwachstum.

KENNZAHL 2: DAS KURS-GEWINN-VERHÄLTNIS

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – kurz KGV – stellt das Verhältnis von Kurs zum Gewinn je Aktie dar. Einfaches Beispiel: Die Aktie von Unternehmen A kostet 50 Euro, der Gewinn je Aktie betrug im Geschäftsjahr 2018 fünf Euro. Das KGV dieser Aktie beträgt 10.

Je höher das KGV ist, desto teurer ist eine Aktie – je niedriger, desto günstiger ist sie. Hört sich einfach an – ist es aber nicht. Denn sonst würde schließlich jeder Aktien kaufen, die mit einem niedrigen KGV daher kommen. Es genügt also nicht, sich einfach nur das aktuelle KGV anzuschauen.

Entscheidend für die Bewertung einer Aktien – also für das KGV – sind dessen Zukunftsaussichten. Traut die Börse einem Unternehmen in den nächsten Jahren schnelles Wachstum zu, dann ist dessen KGV in der Regel höher (30 – 50). Denkt der Markt, ein Unternehmen steht kurz vor dem Aus, wird dessen KGV niedrig ausfallen ( < 5 ).

KENNZAHL 3: DER ZINSDECKUNGSGRAD

Bevor man in ein Unternehmen investiert, sollte man definitiv einen Blick auf dessen Verschuldung geworfen haben. Denn ein zu hoher Schuldenberg kann ein Unternehmen in den Ruin treiben – und unser Investment wertlos machen. Im Regelfall verwende ich zur Beurteilung der Verschuldung den Zinsdeckungsgrad.

Den Zinsdeckungsgrad eines Unternehmens erhältst du, indem du den Gewinn vor Steuern und Zinsen durch die Zinsaufwendungen teilst. Beide Kennzahlen findest du in der Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsberichts.

Einfaches Beispiel: Ein Unternehmen erwirtschaftet ein EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) in Höhe von 1.000 Euro. Für Zinszahlungen muss es 100 Euro aufwenden. Der Zinsdeckungsgrad beträgt in diesem Fall 10.

Dieser Wert sagt aus, um das Wievielfache der Gewinn die Zinszahlungen deckt. Je höher er also ist, desto besser. Ist der Zinsdeckungsgrad hingegen sehr niedrig, muss das Unternehmen einen hohen Teil seines Gewinns für Schuldendienste aufwenden.

Zinsdeckungsgrade unter drei halte ich für sehr bedenklich, weil ein Großteil des Gewinns in diesem Fall für Zinszahlungen drauf geht und nicht für Investitionen zur Verfügung steht. Und auch nicht an uns Anleger ausgeschüttet werden kann. Mindestens fünf sollte der Zinsdeckungsgrad in meinen Augen daher mindestens betragen – besser noch ein bisschen mehr.

Natürlich funktioniert der Zinsdeckungsgrad nur bei gereiften Unternehmen, die stabile Gewinne erzielen. Ein hochinnovatives StartUp ohne Gewinne am Zinsdeckungsgrad zu messen, wäre daher ziemlicher Unsinn. Und auch ein zyklisches Unternehmen, welches sich gerade im unteren Teil der Kurve befindet, bewertest du besser anhand anderer Bilanzkennzahlen – zum Beispiel dem Verhältnis von Cash zu langfristigen Verbindlichkeiten.

MEIN FAZIT ZU DIESEN 3 KENNZAHLEN

Diese drei Kennzahlen sind ein grober Anhaltspunkt in meiner Aktienanalyse – keinesfalls sind sie in Stein gemeißelt! Heißt: Wenn mich ein Unternehmen absolut überzeugt, dann kann durchaus auch mal eine der der Kennzahlen nicht so gut ausfallen, wie ich mir das wünschen: Ich kaufe die Aktie trotzdem.

Auf der anderen Seite ist nicht jedes Unternehmen, dass diese drei Kennzahlen erfüllt, automatisch ein Kauf. Wie eingangs erwähnt – ich investiere hauptsächlich anhand unternehmerischer Gesichtspunkte. Und die lassen sich nun mal nur schlecht in Zahlen wiedergeben.

Nichtsdestotrotz sollte meiner Meinung nach jeder Investor diese drei Kennzahlen kennen und verstehen – dies könnte uns nämlich die ein oder andere rote Position in unseren Depots ersparen.

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