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Passives Einkommen mit P2P-Krediten: Chancen, Risiken und meine Strategie einer unterschätzen Anlageklasse

Passives Einkommen mit P2P-Krediten? Das ist doch nur etwas für Träumer und Zocker, die sich von hohen Renditen blenden lassen und die dem schnellen Euro nachjagen! Ganz ehrlich: So dachte ich früher auch mal. Wieso sollte ich einem Hartz 4-Empfänger im Baltikum Geld für einen Fernseher leihen, den sich dieser gar nicht leisten kann?

Mittlerweile weiß ich: Mit der richtigen P2P-Strategie steckt weit mehr hinter P2P-Krediten als nur der Hartz 4-Empfänger im Feinripp-Unterhemd! Von Immobilienkrediten über Geschäftskredite bis hin zu Payday Loans können wir mittlerweile in alle möglichen Arten von Darlehen investieren – und uns so einen stabilen Cashflow aus Kreditzinsen aufbauen!

Wie P2P-Kredite funktionieren und auf welche P2P-Risiken Privatanleger achten sollten, erfährst du in diesem Beitrag. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

Investorensteckbrief Thomas Brantl, passives Einkommen mit P2P-Krediten

Inhaltsverzeichnis

1. Wie funktionieren P2P-Kredite?

2. Chancen und Risiken von P2P-Krediten

3. Zeit- und Kapitalaufwand mit P2P-Krediten

4. Strategie – so investierst du sinnvoll in P2P-Kredite

5. Umsetzung und Praxis – so findest du die besten P2P-Plattformen

6. Was brauche ich, um in P2P-Kredite zu investieren?

7. Fazit und Meinung - so sinnvoll sind P2P-Kredite

1. Wie funktionieren P2P-Kredite?

"P2P" steht für Peer to Peer – eine Transaktion zwischen zwei "gleichrangigen" Parteien. Wenn eine Privatperson einen Kredit bei einer Bank aufnimmt, dann ist dieses Geschäft nicht gleichrangig: Die Bank ist ein Finanzinstitut, der Kreditnehmer eine Privatperson. Bei P2P-Krediten handelt es sich um eine Transaktion zwischen zwei gleichrangigen Parteien – in diesem Fall zwischen zwei Privatpersonen. Wir Investoren verleihen Geld mit Hilfe einer P2P-Plattform an eine Person, die einen Kredite benötigt.

Ich finde diesen Ansatz spannend und würde gerne Menschen Geld leihen, um mir so ein passives Einkommen aus Zinseinnahmen aufzubauen. Leider gibt mein Familien- und Bekanntenkreis nicht genügend Kreditnehmer her, um mir daraus ein diversifiziertes Kreditportfolio anzulegen. Außerdem halte ich es für fraglich, ob Geld verleihen im Familien- oder Freundeskreis langfristig förderlich für mein soziales Leben wäre. Ich denke, da geht es den meisten von euch genauso.

Eine Art Marktplatz müsste her, auf dem Kreditgeber und Kreditnehmer zusammenfinden. An dieser Stelle kommen P2P-Plattformen ins Spiel: Wir können sie als Marktplätze für Darlehen betrachten. Wollen wir als Investoren mit solchen Plattformen in Kredite investieren und von den Zinsen profitieren, stellen sich zwei Fragen: Wem leihen wir unser Geld und welche P2P-Plattformen nutzen wir hierfür?

Die Kreditnehmer

Kritiker sehen in P2P-Krediten ausschließlich den mittellosen Hartz 4-Empfänger im Feinripp-Unterhemd, der sich von Investoren seinen neuen Fernseher finanzieren lässt. Abgesehen davon, dass dieses Geschäftsmodell funktioniert (gäbe es sonst für jedes erdenkliche Elektrogerät zehn verschiedene Anbieter, die solche Gerät finanzieren?), ist das Spektrum an Kreditnehmern heute deutlich vielschichtiger!

passives Einkommen P2P-Kredite

Quelle: canva.com

Immobilienkredite

In des Deutschen liebste Geldanlage – die Immobilie – lässt es sich mit P2P-Krediten bequem vom heimischen Schreibtisch aus investieren. Plattformen wie EstateGuru oder Reinvest24 haben sogar Immobilien aus der Bundesrepublik im Angebot.

Geschäftskredite

Kaum ein Unternehmen kommt ohne Fremdfinanzierung – sprich Kredite – aus. Entsprechend groß ist der Markt – und hiervon können P2P-Investoren profitieren: Zum Beispiel mit Plattformen wie Debitum Network.

Factoring-Kredite

Wer gegen eine Gebühr Forderungen an seinen Kunden "eintreiben" lassen möchte, der lässt sich diese von einer dritten Partei abkaufen. Das stellt den schnellen Cashflow sicher und ist eine weitverbreitete Methode – insbesondere in Branchen, in denen die Zahlungsmoral schlecht ist. In Factoring-Kredite können wir ebenfalls mit Debitum Network investieren.

Payday-Loans

Ja, ich geb's zu – jetzt nähern wir uns dem gerade erwähnten Klischee mit dem Feinripp-Unterhemd und dem Fernseher. Kreditnehmer nutzen Payday-Loans, um die Zeit bis zum nächsten Gehaltsscheck zu "überbrücken". Bevor du jetzt die Nase rümpfst: Payday Loans haben kurze Laufzeiten und eine überdurchschnittlich hohe Rendite, was sie unter P2P-Investoren sehr beliebt macht. Eine meiner Lieblingsplattformen – viainvest – fokussiert sich beispielsweise ausschließlich auf Payday Loans. Passives Einkommen mit P2P funktioniert auch mit solch scheinbar zweifelhaften Krediten.

Konsumentenkredite

Hierunter fallen nicht nur Fernseher, sondern auch KFZ-Leasings oder Studienkredite. Das klingt zwar wieder wenig nachhaltig, für Banken und Kreditvermittler stellt jedoch gerade dieser Bereich seit Jahrzehnten eine sprudelnde Geldquelle dar. Warum sollte das bei P2P-Plattformen nicht langfristig funktionieren?

Landwirtschaftliche Flächen

Gegessen und getrunken wird immer, entsprechend solide bewerte ich Investments in landwirtschaftliche Flächen. Mittlerweile gibt es Plattformen, mit deren Hilfe wir in Ackerland investieren können – zum Beispiel mit Landex.

Einen Überblick über alle meine P2P-Plattformen findest du in meiner P2P-Plattformübersicht (inklusive Ranking meiner bester Marktplätze).

meine P2P-Plattoformübersicht

Fazit zu den Kreditnehmern auf P2P-Plattformen

Wer breit diversifiziert in P2P-Kredite investiert, der hat weit mehr als nur den "Fernsehkredit" im Portfolio: Von Immobilien in Deutschland bis hin zu Factoring-Krediten in Großbritannien ist heute vieles möglich. Und selbst der Fernsehkredit scheint lukrativer zu sein als viele das glauben: Oder warum sonst prügeln sich Banken und andere Kreditgeber beinahe um genau diese Zielgruppe?

wie funktionieren P2P-Kredite

Quelle: canva.com

Die Marktplätze und P2P-Plattformen

Bei den Kreditnehmern gibt es also zahlreiche Bereiche, in die wir investieren können. Da sich die meisten P2P-Plattformen auf eine Art der Kreditnehmer spezialisieren, könnten wir diese in die selben Kategorien einteilen. Darüber hinaus lassen sich P2P-Marktplätze in zwei Gruppen einordnen: Zum einen in Plattformen mit Kreditanbahnern, zum anderen in Plattformen ohne Kreditanbahner.

Plattformen mit Kreditanbahner

Kommen Kreditanbahner zum Einsatz, vergibt die Plattform die Darlehen nicht selbst an seine Kreditnehmer: Zwischen Marktplatz und Kreditnehmen sind die sogenannten Kreditanbahner. Wir Anleger suchen uns die Anbahner aus, die uns zusagen (entweder manuell oder per AutoInvest) und "investieren" in diese.

Der Kreditanbahner ist für das Weiterleiten der Gelder an den Kreditnehmer und das Eintreiben der Schulden inklusive Zinsen verantwortlich. Die P2P-Plattform fungiert in diesem System ausschließlich als Marktplatz, um die Kredite kümmern sich die Anbahner. Die bekannteste Plattform mit Kreditanbahner dürfte nach wie vor Mintos sein – ein P2P-Marktplatz der ersten Stunde.

Plattformen ohne Kreditanbahner

Arbeitet eine Plattform ohne Anbahner, vergibt sie ihre Darlehen direkt an seine Kreditnehmer. Oftmals stecken hinter solchen Plattformen Unternehmen, die ohnehin seit Jahren – oftmals sogar seit Jahrzehnten – im Kreditgeschäft tätig sind. Sie nutzen ihre P2P-Marktplätze als zusätzliche Quelle zur Kapitalgewinnung. Twino ist ein gutes Beispiel für so eine Plattform. Auch viainvest funktioniert nach diesem Prinzip.

Mein Fazit zu P2P-Marktplätzen

Welches dieser beiden Systeme das bessere ist, vermag ich an dieser Stelle nicht abschließend zu beurteilen: Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Da sich manche Kreditanbahner als wenig zuverlässig herausstellten – das gilt besonders für Mintos – tendiere ich persönlich zu Marktplätzen ohne Anbahner. Trotzdem nutze ich die eine oder andere Plattformen mit Kreditanbahner: Auch P2P-Kredite mit Anbahner halte ich unter bestimmten Vorraussetzungen für sinnvoll.

2. Chancen und Risiken von P2P-Krediten

Jedes Investment birgt Chancen und Risiken, da stellen P2P-Kredite keine Ausnahme dar. Welche Möglichkeiten diese Assetklasse bietet und welche Risiken ich in P2P-Krediten sehe, zeige ich dir in den nächsten beiden Absätzen.

Die Chancen von P2P-Krediten

Das Hauptziel der meisten P2P-Investoren ist der Aufbau eines passiven Einkommens, denn Ausschüttungsrenditen von rund 10 % sind im P2P-Bereich absolut realistisch. Weil diese hohen Renditen in den meisten Fällen tatsächlich fließen und keine Luftschlösser sind, sehe ich in den üppigen Ausschüttungsrenditen eine der größten Chancen von P2P-Krediten.

Meine persönliche Rendite über alle Plattformen hinweg pendelt zwischen 8 und 9 Prozent. Damit bringen P2P-Kredite das Potential mit, einen marktbreiten World-ETF langfristig zu schlagen.

ETF-Faktor-Strategie Chancen

Ein Stern: Rendite unterhalb der Inflationsrate wahrscheinlich

Zwei Sterne: Rendite im Bereich der Inflationsrate wahrscheinlich

Drei Sterne: marktübliche Rendite eines ETF-Weltportfolios

Vier Sterne: marktschlagende Rendite möglich

Fünf Sterne: Renditen von 12 % pro Jahr und mehr möglich

Neben den hohen Renditen und den üppigen Zinsen stellen P2P-Kredite in meinen Augen eine wunderbare Diversifikation für jedes Aktien- und ETF-Portfolio dar. Während eines Börsencrashs – beispielsweise im Zuge der Corona-Pandemie oder des jüngsten Tech-Crashes – zahlt ein breit diversifiziertes P2P-Portfolio auch in schwierigen Zeiten Zinsen. Während der letzten Jahre war dies bei den allermeisten P2P-Plattformen nachweislich der Fall.

Die Risiken von P2P-Krediten

Ich bin davon überzeugt, dass P2P-Plattformen großartige Chancen für Investoren bieten. Dennoch möchte ich es nicht versäumen, auf die Risiken von P2P-Krediten hinzuweisen. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Das Plattform-Risiko und das Kreditnehmer-Risiko.

Das Kreditnehmer-Risiko

Das offensichtlichste Risiko von P2P-Krediten liegt auf der Hand: Der Kreditnehmer begleicht seine Schulden nicht und wir Investoren stehen mit leeren Händen da. Tatsächlich sehe ich dieses Risiko unkritisch, weil

  • zum einen bieten viele P2P-Plattformen Rückkaufgarantien an, die im Falle eines zahlungsunfähigen Schuldners einspringen
  • zum anderen werden ausgefallene Darlehen in einem gut diversifizierten Portfolio durch die zahlenden Kredite mehr als kompensiert. Ausfälle führen zu einer Renditeminderung, aber zu keinem Verlust

Bezüglich des P2P-Kredite Risikos auf Kreditnehmerebene lässt sich folgendes festhalten: Solange die Plattform hinter den Krediten nicht in finanzielle Schwierigkeiten gerät und wir Anleger für ein gut diversifiziertes P2P-Portfolio sorgen, ist dieses Risiko meiner Meinung nach überschaubar. Das bedeutet aber nicht, dass es keine relevanten P2P-Risiken gibt...

Das Plattform-Risiko

Wenn eine Plattform in Schwierigkeiten gerät, dann bringt uns auch eine Rückkaufgarantie nichts! Wer soll unsere überfälligen Kredite in diesem Fall bezahlen? Richtig – niemand. Oder noch schlimmer: Eine Plattform, in die wir investieren, stellt sich als Betrug heraus. In diesem Fall ist unser Kapital in den meisten Fällen verloren – da gibt's nichts zu beschönigen. Bei den Plattformen Envestio, Grupeer oder Kuetztal passierte genau das. Dieses P2P-Kredite Risiko ist definitiv existent, das mussten Investoren in den letzten Jahren schmerzlich erfahren.

Zu 100 % können wir uns in meinen Augen nicht vor solchen Fällen schützen. Schließlich ist es schwierig, in die Köpfe der Manager hinter den Plattformen zu schauen. Das Plattform-Risiko komplett zu eliminieren ist also nicht möglich. Aber wir können es reduzieren, indem wir

  • schwerpunktmäßig auf etablierte Plattformen mit mehrjährigem Track-Record setzen
  • auf ein breite Diversifikation achten. Langfristig soll mein P2P-Portfolio aus mindestens 7 bis 8 unterschiedlichen P2P-Marktplätzen bestehen

Bei P2P-Krediten ist auf Plattformebene sogar ein Totalverlust möglich! Bei einer breiten Diversifikation über mehrere Plattformen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern halte ich einen Totalausfall des gesamten Portfolios jedoch für unwahrscheinlich. So bekommen P2P-Krediten zwei von fünf möglichen Punkten von mir.

Faktor-ETFs sinnvoll

Ein Stern: hohes Verlustrisiko, Totalverlust möglich

Zwei Sterne: mittleres Verlustrisiko, Totalverlust unwahrscheinlich

Drei Sterne: niedriges, langfristiges Verlustrisiko, Totalverlust unwahrscheinlich

Vier Sterne: kein Verlustrisiko, Absicherung durch Gläubiger mittlerer Bonität

Fünf Sterne: kein Verlustrisiko, Absicherung durch Gläubiger hoher Bonität

3. Zeit- und Kapitalaufwand mit P2P-Krediten

Zeitaufwand

Wer – wie ich – breit diversifiziert "mit der Gießkanne" in P2P-Kredite investiert, dem macht diese Assetklasse wenig Arbeit. Ich wähle meine Kredite nicht manuell aus: Auf jeder meiner Plattformen aktiviere ich als allererstes den AutoInvest. Dieser wählt Darlehen basierend auf meinen festgelegten Kriterien aus und investiert automatisch in diese, sobald genügend Kapital vorhanden ist. Zeitaufwand für das Einstellen des AutoInvest: Zwischen fünf und zehn Minuten. Die Anmeldung und Registrierung ging bei den Plattformen, auf denen ich aktiv bin, ebenfalls schnell und problemlos von der Hand.

Hin und wieder sollten wir jedoch einen Blick in unsere P2P-Accounts werfen: Gibt es News auf der Plattform? Entwickeln sich die Renditen wie geplant? Steigen die Ausfälle überproportional an und sinken die Renditen in Folge dessen? Wer ernsthaft in P2P-Kredite investieren möchte, sollte neben Geld also auch ein wenig Zeit mitbringen.

Zeitaufwand P2P-Kredite

Ein Stern: hoher Zeitaufwand, wöchentliche Kontrolle notwendig

Zwei Sterne: hoher Zeitaufwand, monatliche Kontrolle notwendig

Drei Sterne: mittlerer Zeitaufwand, quartalsweise Kontrolle notwendig

Vier Sterne: niedriger Zeitaufwand, jährliche Kontrolle notwendig

Fünf Sterne: keine Zeitaufwand, keine Kontrollen notwendig

Mein Tipp

Wer sich mit Sparplänen ein passives P2P-Einkommen aufbauen möchte, der könnte auf Schwierigkeiten stoßen: Während Einmalzahlungen auf baltische Konten kein Problem darstellen, ist dies für Daueraufträge – also Sparpläne – oftmals nicht ohne Berater möglich. Mir war es zu blöd, wegen jeder Änderung bei meiner Bank anzurufen!

Deshalb nutze ich seit mehreren Jahren das kostenlose Vivid-Konto für meine P2P-Sparpläne. Daueraufträge ins Baltikum sind damit problemlos möglich und bequem per Smartphone zu verwalten. Da das Vivid-Konto 100 % kostenlos ist, eignet es sich perfekt als "Sparplan-Konto" für P2P-Kredite. Und weil Vivid dein Konto bei einer deutschen Bank führt, kannst du darauf problemlos einen Dauerauftrag von deinem normal Girokonto aus einrichten.

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Kapitalaufwand

Auf vielen P2P-Plattformen können Anleger ab 10 Euro mit dem Investieren beginnen, die Einstiegsschwelle ist entsprechend niedrig. Für ein breit diversifiziertes P2P-Portfolio sollten wir in meinen Augen mindestens 500 Euro einplanen. Um sich ein passives P2P-Einkommen aufzubauen, benötigen wir verglichen mit anderen Assets also wenig Kapital.

Multifaktor-ETFs

Ein Stern: hoher Kapitalaufwand, mehr als 25.000 Euro notwendig

Zwei Sterne: hoher Kapitalaufwand, mehr als 10.000 Euro notwendig

Drei Sterne: mittlerer Kapitalaufwand, mehr als 5.000 Euro notwendig

Vier Sterne: niedriger Kapitalaufwand, mehr als 1.000 Euro notwendig

Fünf Sterne: niedriger Kapitalaufwand, Investitionen unter 1.000 Euro sinnvoll

4. Strategie – so investierst du sinnvoll in P2P-Kredite

Wie erwähnt verfolge ich einen passiven Ansatz was meine P2P-Strategie betrifft. Ich "analysiere" nicht jeden einzelnen Kredit, in den ich investiere. Ich bin davon überzeugt, dass die Analyse von Darlehen keinen positiven Einfluss auf meine Rendite hat. Außerdem würde mich das schlichtweg zu viel Zeit kosten – mittlerweile investiere ich in mehrere hundert Kredite.

Entsprechend fokussiert sich meine P2P-Strategie auf die Plattformen, nicht auf die Kreditnehmer. In allererster Linie investiere ich auf Marktplätzen, die bereits bewiesen, dass sie ein verlässlicher Partner sind und die sich um die Interessen von uns Investoren kümmern. Dabei sind mir die folgenden Kriterien besonders wichtig:

  • mehrjähriger Track Record, bestenfalls ist die Plattform seit mehr als fünf Jahren am Markt
  • Regulierung durch eine Finanzaufsichtsbehörde (oder zumindest das ernsthafte Interesse, diese zukünftig anzustreben)
  • langjährig erfahrene Kreditgeber stehen hinter dem Marktplatz
  • Stabilität im Management einer Plattform

Wenn eine P2P-Plattform bereits mehrere Jahre auf dem Buckel hat und dabei schwierige Phasen wie die Corona-Pandemie überstand, dann schließe ich daraus folgendes: Zum einen ist Chance auf einen Scam eher gering – das wäre wahrscheinlich irgendwann aufgeflogen. Zum anderen stellte die Plattform eine gewisse Krisenfestigkeit unter Beweis. Ich möchte nicht in Unternehmen investieren, die bei den kleinsten Problem zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

P2P-Strategie

Quelle: canva.com

Inzwischen gibt es über den Track Record hinaus ein weiters Merkmal, welches wir heranziehen können: Immer mehr Plattformen – vor allem die lettischen – lassen sich durch eine Finanzaufsichtsbehörde regulieren. Regulierte Marktplätze sind beispielsweise verpflichtet, einen geprüften Jahresabschluss zu veröffentlichen, Eigenkapital einzubringen und weitere, strenge Anforderungen zu erfüllen. Mir erscheint die Betrugsgefahr bei regulierten Plattformen deshalb niedriger zu sein als bei nicht-regulierten. Wir sollten jedoch bedenken, dass eine Regulierung nicht nur positive Effekte für uns Investoren bereit hält: Aufgrund der höheren Kosten kündigten bereits mehrere Plattformen im Zuge der Regulierung fallende Zinsen an. Ob es am Ende so kommt, müssen wir Stand heute einfach abwarten.

Auch ein Blick auf das Management und die hinter den Plattformen stehenden Unternehmen gehört zur Analyse von P2P-Marktplätzen. Ist der CEO das Gesicht des Anbieters und mehrere Jahre in der Verantwortung? Oder wechselt das Management regelmäßig durch? Eine seriöse Plattform verfügt über ein stabiles Führungsteam – und kein ständig wechselndes. Bei einigen Marktplätzen stehen darüber hinaus erfahrene Kreditgeber hinter den Plattformen, zum Beispiel bei Twino oder Peerberry. Sie verfügen über eine Menge Know-How in Sachen Kreditvergabe, was die Sicherheit für uns Investoren erhöht.

Es gibt einige Punkte, die auf eine verlässliche P2P-Plattformen hindeuten. Dennoch sollte uns eine Sache immer bewußt sein: Absolute Sicherheit existiert bei P2P-Krediten nicht  – wir können den Managern wie gesagt nicht in die Köpfe schauen. Genau deshalb ist Diversifikation die Grundphilosophie meiner P2P-Strategie – und steht über allen anderen Kriterien.

Diversifikation – die Grundlage meiner P2P-Strategie

Bisher waren es im Großen und Ganzen "nur" zwei P2P-Risiken, die zu Problem für Investoren führten: Zum einen entpuppten sich wie beschreiben einige Plattformen als Scam – oder sie waren schlichtweg unfähig. Zum anderen fielen einige Kredite dem Ukraine-Konflikt zum Opfer (sowohl russische als auch ukrainische Kredite werden seit Ende Februar teilweise nicht mehr bedient). Wir hatten es also mit einem Plattformrisiko und mit einem regionalen Risiko zu tun.

P2P-Risiken, Risiko P2P-Kredite

Quelle: canva.com

Plattform-Diversifikation

Das P2P-Risiko lässt dich am einfachsten minimieren, indem wir die Anzahl der Plattformen erhöhen. Wer auf drei Marktplätzen aktiv ist, der verliert beim Ausfall einer Plattform 33 Prozent seines Portfolios. Bei zehn P2P-Marktplätzen sind es nur noch 10 Prozent. Ich investiere langfristig nicht mehr als 20 Prozent meines P2P-Kapitals auf einem einzige Marktplatz, was eine Mindestanzahl von fünf Plattformen bedingt. Da ich jedoch nicht jeden Markplatz gleich gewichte, strebe ich ein Minimum von sieben bis acht P2P-Plattformen an.

mein P2P-Portfolio

Diversifikation bedeutet jedoch keinesfalls, sich blind bei 10 bis 20 Plattformen zu registrieren und zu hoffen, dass nicht allzu viele Nieten dabei sind. Das ist spekulieren und hat mit einer langfristig orientierten P2P-Strategie nichts zu tun. Qualität geht vor Quantität: In mein Portfolio kommen nur Plattformen, die mich anhand der zu Beginn dieses Abschnitts vorgestellten Kriterien überzeugen.

Regionale Diversifikation

Die Ereignisse in der Ukraine zeigten, dass wir nicht nur bei den Plattformen diversifizieren sollten, sondern auch auf regionaler Ebene. Wer beispielsweise auf sechs verschiedenen Marktplätzen in russische und ukrainische Kredite investierte, dem bringt Plattform-Diversifikation alleine nicht viel. Ich stellte meine AutoInvests daher so ein, dass es kaum regionale Überschneidungen gibt. Estland beispielsweise kommt auf vielen Plattformen vor, weshalb ich dieses Land bei EstateGuru aus dem AutoInvest herausnahm.

Diversifikation nach Branchen

Zwar gab es bisher meines Wissens noch keine branchenspezifischen Probleme bei P2P-Krediten. Dennoch versuche ich, in meiner P2P-Strategie so viele wie möglich unterschiedliche Branchen abzudecken. Zwar mag ich beispielsweise Payday-Loans – 100 Prozent meines P2P-Kapitals stecke ich aber trotzdem nicht in solche Kredite.

Passives Einkommen mit P2P-Krediten – mit dieser Strategie klappt's

Zum Abschluss dieses Abschnitts findest du hier die vier Säulen meiner P2P-Strategie kurz und knapp zusammengefasst.

  • Diversifikation auf Plattform-Ebene
  • Diversifikation auf regionaler Ebene
  • Diversifikation auf Branchen-Ebene
  • es kommen nur Plattformen in Portfolio, die die meisten meiner Qualitätskriterien erfüllen – Qualität geht über Quantität

5. Umsetzung und Praxis – so findest du die besten P2P-Plattformen

In meiner P2P-Plattform-Übersicht findest du alle Anbieter, bei denen ich investiere oder in den letzten Jahren investierte. Jeder Marktplatz erhält eine persönliche Bewertung von mir, damit du dir einen ersten Überblick verschaffen kannst. Welche Plattform mein Favorit ist und bei welchen ich nicht mehr investiere, erfährst du in meinem P2P-Plattform-Ranking.

P2P-Ranking

6. Was brauche ich, um in P2P-Kredite zu investieren?

Wer sich ein passives Einkommen mit P2P-Krediten aufbauen möchte, benötigt hierfür weder ein Depot noch eine spezielle Software. Einfach bei den Plattformen deiner Wahl registrieren – und ab geht's! Das Ganze läuft so ähnlich ab wie das Eröffnen eines Bankkontos, nur schneller und mit weniger Bürokratie. Meist genügen die folgenden Schritte, um dich anzumelden.

  • persönliche Daten eintragen
  • Personalausweis einscannen, ein VideoIdent ist nicht notwendig
  • teilweise sind ein paar Fragen zur Herkunft des Geldes und zu den finanziellen Verhältnissen zu beantworten. Da kannst du aber am Ende des Tages eintragen was du willst

Anschließend überweist du den gewünschten Anlagebetrag auf das Konto des P2P-Anbieters. Meist handelt es sich um Banken aus Estland oder Lettland mit entsprechender IBAN (zum Beispiel EE für Estland). Manche Plattformen setzen mittlerweile auf mitteleuropäische Institute als Zahlungsabwickler. So überweise ich bei EstateGuru auf das Konto einer französischen Bank.

passives Einkommen P2P, Banküberweisung

Quelle: canva.com

An dieser Stelle sei nochmals auf die Möglichkeit automatisierter Daueraufträgen mit Hilfe von Vivid hingewiesen. So kannst du den Investitionsprozess per Sparplan automatisieren und sparst dir die lästigen, zeitaufwändigen Überweisungen.

7. Fazit und Meinung - so sinnvoll sind P2P-Kredite

Wer auf Renditen von 10 % und mehr abzielt, der dürfte mit P2P-Krediten kaum glücklich werden. Ein gewisser Anteil an Darlehen kann trotz Rückkaufgarantien leider ausfallen, weshalb ich nicht mit dauerhaft, zweistelligen Renditen im P2P-Bereich rechne. Das gilt insbesondere, wenn wir breit diversifiziert und hauptsächlich in etablierte Plattformen mit weniger Risiko investieren.

Wer sein Portfolio unabhängiger vom Aktienmarkt machen und sich gleichzeitig eine stabilen Cashflow aufbauen möchte, für den können P2P-Kredite sinnvoll sein. Mit einer langfristig ausgelegten P2P-Strategie können Anleger mit jährlichen Renditen zwischen 7 und 9 Prozent rechnen. Das entspräche ungefähr dem historischen Niveau eines breit diversifizierten World-ETFs.

Für mich war vor allem die Unabhängigkeit vom Aktienmarkt ausschlaggebend: Aktien, ETFs, Fonds und passive Immobilieninvestments korrelieren stark mit der Entwicklung an der Börse – P2P-Kredite tun das nicht. Während des Tech-Aktien-Crashs im Jahr 2022 beispielsweise verlor mein Aktiendepot massiv an Wert. Gleichzeitig warf mein P2P-Portfolio unbeirrt weiter Rendite ab. Trotz Inflation, trotz Ukraine-Krieg.

Ebenfalls zu schätzen weiß ich den stabilen Cashflow, den meine P2P-Plattformen generieren. Inzwischen gibt es keinen Tag, an dem nicht mindestens eine meiner Plattform Zinsen ausschüttet. Cashflow-Herz – was willst du mehr!

Für mich sind P2P-Kredite zum unverzichtbaren Teil meines Portfolios geworden. Die Kombination aus Rendite, Unabhängigkeit von der Börse und der hohen Automatisierbarkeit sind für mich die wichtigsten Gründe, warum ich diese Assetklasse keine Sekunde mehr missen möchte.

Vielen Dank für dein Interesse an diesem Artikel! Wenn du wissen möchtest, auf welchen Plattformen ich aktiv bin, dann empfehle ich dir meine P2P-Plattformübersicht.

Euer Thomas

Smart Beta-ETFs, Thomas Brantl

Disclaimer

Für diesen Beitrag gilt – wie für alle „Aktien für jedermann“-Beiträge – der folgende Disclaimer. Bitte lies ihn dir aufmerksam durch und beachte die darin enthaltenen Ausführungen.

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